Von Natur aus gibt es keine Konflikte, nur Konfliktangebote!

10.12.18 13:45 By Philipp Karch

Es liegt allein an dir, ob du aus den zahlreichen Angeboten auch zahlreiche Konflikte machst. Entscheide bei jedem Angebot, ob du es annimmst. Und warum.

Manche Menschen glauben, dass sich bestimmte Konflikte  geradezu aufdrängen und dass sie keine Wahl haben, „Nein“ zum Konflikt zu sagen. Der Konflikt ist dir gewissermaßen  übergeholfen worden.  Nennen wir diese fundamentale Einstellung eine „Unvermeidbarkeitsannahme“.

Was viele bei dieser Opfer- bzw. Ohnmachtshaltung jedoch übersehen, ist dass es vor dem realen Konflikt,  der tatsächlich eingetreten ist und der scheinbar eintreten musste, zuvor ein Konfliktangebot gegeben haben muss, das sie „dummerweise“ angenommen haben.

Konfliktangebote sind wie Geschenkangebote

Was ich damit meine wird deutlich, wenn wir Konfliktangebote mit Geschenkangeboten vergleichen: Wenn dir beispielswiese jemand zum Geburtstag voller Liebe und Leidenschaft eine Blumenvase schenkt, die bei dir jedoch statt Freude und Dankbarkeit eher Ekel und Entsetzen auslöst, wirst Du die Vase vielleicht zunächst annehmen.

Aber nicht wirklich. Solange „der mit dem fragwürdigen Geschmack“ noch da ist, wirst du sie vielleicht irgendwo sichtbar abstellen, aber früher oder später wandert das unerwünschte Teil in den Schrank oder du schenkst es weiter. (Von Kishon gibt es die herrliche Kurzgeschichte, bei der nach einem Jahr das einmal verschenkte Geschenk wieder bei der ersten Person ankommt, nachdem es durch die gesamte Bekanntschaft jeweils weiter geschenkt wurde).

Dafür stehe ich nicht zur Verfügung

Es scheint offensichtlich vielen Menschen leichter zu fallen, ein materielles Ding - wie ein Geschenk - nicht anzunehmen als immaterielle Dinge wie Worte, Stimmlagen oder Gesten. Die radikale „Dafür-stehe-ich-nicht-zur-Verfügung-Haltung“ versagt leider häufig bei kommunikativen Konfliktangeboten: Reizformulierungen („Du bist arrogant!“), lautes Schreien oder hochgezogene Augenbrauen scheinen oft problemlos durch unser Netz an Abwehrmechanismen hindurch zu gelangen.

Schütz dein Gartentor

Meine Vermutung ist, dass das auch für dich gilt: Während du eine subjektiv als unpassend empfundene Blumenvase recht unaufwändig abwehren kannst, versagen deine Schutzschilder recht zuverlässig, wenn dein Gegenüber dich unerwünscht kommunikativ belastet. 

Das vielleicht zunächst Überraschende: Für diese kommunikativen Übergriffe deines Gegenübers braucht es dein aktives Zutun! Die letztliche Störung im Sinne eines Konflikts entsteht also nicht durch die „Störungsanbieter“ (Dein Gegenüber als Sender), sondern durch dich als „Störungsannehmer“ (du als Empfänger).

Denn die von außen auf dich eindringenden Signale können nur dann in deinem Garten die Blumen zertrampeln, wenn du das Gartentor (unbewusst) aufgelassen hast. Oder sogar (ungewollt) aufgemacht hast. Das Problem ist nicht der trampelnde Gartengast, das Problem ist dein unzureichend geschütztes Gartentor.

Fazit

Wenn aus dem fiktiven Konfliktangebot ein tatsächlicher Konflikt geworden ist, musst du zuvor (bewusst oder unbewusst) eingewilligt haben, das unerwünschte Kommunikationsgeschenk anzunehmen. Der Unterschied zwischen einem theoretischen Konfliktangebot und einem realen Konflikt liegt somit allein in deiner Reaktion. Noch genauer: Wenn du dich ab heute auf das pure Beobachten beschränkst, würdest du ab heute keinen einzigen Konflikt mehr erleben.

Wenn du dich jedoch zu Interpretationen, Bewertungen und Urteilen hinreißen lässt, dann bist du mitten im Konflikt. Von Natur aus gibt es also keine Konflikte, nur Konfliktangebote. Es liegt künftig allein an dir, ob du aus den zahlreichen Angeboten auch zahlreiche Konflikte machst. Entscheide bei jedem Angebot, ob und warum du es annimmst.