Ärgernotfallstrategie-Nr. 5: Das WEGNIHILIEREN

    14.03.19 10:21 By Philipp Karch

    Ärgernotfall-Strategie heißt: Ohne groß nachzudenken dich schnell aus der Schusslinie nehmen. Das muss nicht immer schlau und nachhaltig sein, aber es hilft. Zumindest in aufwühlenden Momenten.

    Letzte Woche ging es hier um das WEGRATIONALISIEREN. Der Ansatz: Stelle fest, dass deine Interpretationen manchmal ungünstig sind und deute sie in deinem Sinne um. 

    Wenn du etwas Neues brauchst, entscheide dich für das WEGNIHILIEREN: Lass bestimmte Bedürfnisse für eine bestimmte Zeit einfach los. Zumindest wenn es keine Kernbedürfnisse sind ...

    WEGNIHILIEREN - Da wird mir schon kein ...

    ... Zacken aus der Krone fallen, wenn ich vorübergehend (!) auf etwas verzichte, was mir "eigentlich" sehr wichtig ist.

    Genau im "eigentlich" liegt der Schlüssel. Es gibt Dinge, die sind immer und überall wichtig. Dein Überleben, deine körperliche Unversehrtheit, deine Würde. Das sind wahrscheinlich drei deiner "Must-Haves" - unter keinen Umständen wirst du sie aufgeben.

    Die "Must-haves" und die "Nice-to-haves"

    Und es gibt Dinge, die sind eher "nice to have". Ob dich beispielsweise jemand an der Hotel-Rezeption zurückgrüßt, ob deine Chefin sich nach deinem Urlaub erkundigt oder ob dir der ältere Mann dankt, nachdem du ihm in der überfüllten Straßenbahn deinen Sitzplatz angeboten hast.

    Wenn du in diesen Situationen nicht (gleich) bekommst, was du dir wünschst, dann hast du - wie so oft - die Wahl: Sauer sein, weil jemand dein Bedürfnis nach Wahrnehmung, Anteilnahme oder Dankbarkeit nicht erfüllt. Oder milde lächeln und innerlich die Enttäuschung wegatmen, weil es einfach keinen nennenswerten Unterschied macht.

    Wann WEGNIHILIEREN und wann eher nicht?

    Blicken wir nach vorn: Es ist 2050 oder 2060, du bist kurz davor, dich in die ewigen Jagdgründe zu verabschieden, doch das Leben schenkt dir noch ein paar Minunten, den einen oder anderen Moment aufleben zu lassen ... 

    • Wirst du dich dann daran erinnern, dass 2007 dieser eine Mann auf dieser einen Straße irgendwie nicht so richtig zurücklächelte? Wohl kaum.
    • Wirst du dich daran erinnern, dass Frau Müller, deine Vorgesetzte zwischen 2011 und 2014, dich nie fragte, wie dein Urlaub war? Sehr unwahrscheinlich.
    • Und wirst du dich an den gebrechlichen 80-Jährigen erinnern, der sich an diesem einen Tag irgendwann in den 80ern einfach nur so auf deinen Platz setzte, ohne jeglichen Dank in deine Richtung? Oh nein!

      Woran du dich erinnern wirst, sind die großen Momente und das allgemeine Glücksgefühl im Alltag: Zum Beispiel ob du einen selbstbestimmten Job hattest! Oder ob du dich überwiegend angstfrei bewegen konntest, ohne jemals ein Mobbing-Opfer zu sein. 

      Bei allen kleineren Fragen, bei diesem ganzen täglichen Kleinkram, da kann es schlau sein, immer mal wieder deine Bedürfnisse wegzunihilieren. Verneine sie. Nicht für immer. Nur jetzt gerade. Für die nächsten drei Sekunden. Warum? Weil es dir gut tut und weil du es dir leisten kannst, ohne dich zu verraten.

      WEGNIHILIEREN ist nichts Anderes als  "vorübergehend auf Verzichtbares zu verzichten". Weil du keine Lust auf Energie- und Zeitverschwendung hast.

      HÖRBUCH und PODCAST

      Du willst dir das Ganze noch mal in Ruhe anhören? Dafür findest du das HÖRBUCH. Oder dich interessiert, wie Désirée und ich mit der Möglichkeit des WEGNIHILIERENS konkret umgehen? Dann hör dir den PODCAST an.

      HÖRBUCH
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      • 01_Kap1.5_Wegnihilieren
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      • 01_Kap1.5_Wegnihilieren_Podcast
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      Fazit & Ausblick

      Was bedeutet das WEGNIHILIEREN für dich und deine Kompetenz zur Konfliktvermeidung? Welche Vorteile winken? Und welche Nachteile drohen? 

      Falls dich das WEGNIHILIEREN nicht anspricht oder es nicht alle deine Ärger-Situationen löst, kommt nächste Woche die fünfte Ärgernotfallstrategie, das WEGIRRITIEREN. 

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